Es ist Herbst.

Die Segelflugsaison 2019 ist beendet. Was uns bleibt, sind intensive Erinnerungen an viele tolle Flugstunden, den Segelfliegen ist eine der ganz wenigen Sportarten, wo Erlebnis- und Ergebnisorientierungen zusammenkommen. So flogen wir in diesem Jahr über 63.000 Kilometer im Segelflug und stellten uns dem fliegerischen Wettstreit bei Wettbewerben in Königsdorf, Ludwigshafen, Klix, Hockenheim, Feldkirchen und meisterten als einer der besten hessischen Vereine den Aufstieg in die 2. Segelflugbundesliga. Die Junioren nahmen am Trainingslager der Hessischen Luftsportbunds teil. Im Urlaub erfolgen wir uns die französischen Seealpen, den Schwarzwald, Österreich, die Pyrenäen. In über 800 Ausbildungsflügen gaben Fluglehrer die Begeisterung für das Fliegen weiter. Ann-Katrin Geb und Bogumil Lazar schlossen dieses Jahr ihre Ausbildung erfolgreich ab.
Im Winter pflegen nun wir eingehend unsere Flugzeuge, in der Ausbildung werden die Grundlagen von Meteorologie, Navigation und Technik gelegt. Wir sind gespannt, was die Saison 2020 für uns bereithält.

Elektro-Tests Teil 2 als Saison-Abschluss

Toller Abschluss - dieses Wochenende konnten wir auch den Discus 2c FES testfliegen, das Wetter stellte uns dafür sonnige Bedingungen bereit. Ein tolles Flugzeug, viele Piloten ließen sich die Gelegenheit, das 18m-Flugzeug mit Elektro-Heimkehrhilfe des Herstellers LZ design am Boden und vor allem in der Luft genau unter die Lupe zunehmen, nicht entgehen. Vielen Dank an Schempp-Hirth für die Überlassung des Flugzeugs mit An- & Abtransport!
Für uns war es das letzte Wochenende mit Segelflugbetrieb in dieser Saison - die Flugzeuge werden in den Wintermonaten gepflegt und gewartet. Nur die Ultraleicht-Flieger machen keine Pause und setzen den Schulbetrieb weiter fort.

Im Cabrio in die Luft

Von Autos kennt man es: Genießer sind "oben ohne" unterwegs. Besonders bei Oldtimern sind sommerliche Ausfahrten ohne Verdeck beliebt. Doch was bei Autos funktioniert, funktioniert auch bei Segelflugzeugen.
So dachte es sich Oldtimer-Fan Martin Wallmer und begann zu planen. Diesen Sommer war es schließlich soweit: unser Oldtimer-Segler "Ka8" kann nun als Cabrio in die Luft gehen. Dem Piloten bietet sich ein intensives und einmaliges Flugerlebnis, das Gesicht im kühlen Luftstrom erinnert an die Anfangstage des Segelflugs.
Doch bis dahin war es ein weiter Weg. Bereits vor ein paar Jahren konnte Martin den Stahlrohrrahmen von einem befreundeten Segelflieger für ein paar Euro erwerben. Das Projekt drohte aber schon daran zu scheitern, dass nirgends ein Haubenverschlusshebel zu bekommen war. Mit viel Überzeugungsarbeit erklärte sich schließlich ein fränkischer Fachbetrieb dazu bereit, das unverzichtbare Teil herzustellen. Dort wurde anschließend der Rohling mit Trennscheibe und Schweissgerät so bearbeitet, dass er zuverlässig zu verschließen war. Es wurde jedoch schnell klar, dass die Rahmen nicht zum Flugzeugrumpf passte. Neben erneuten Schweißarbeiten verbrachte Martin über den Winter viele Stunden damit, den Rohling anhand von lamellierten Kiefernleisten an die Form des Rumpfs anzupassen und mit Sperrholz zu beplanken, gefolgt von Spachtel-, Schleif-, Lackierarbeiten und dem Einbau eines Windschotts im Flugzeugrumpf.
Im Sommer konnte schließlich der Erstflug erfolgen. Aus der Begeisterung unter den Piloten wurde schnell ein eigener Wettbewerb in's Leben gerufen: mit dem "Coppa Cabrio" wird der Pilot geehrt, der mit dem Cabrio die größte, zuvor deklarierte Strecke fliegt. Zum Ende der Saison liegt Rainer Meng mit 82 Kilometern auf dem ersten Rang. Doch die Gedanken sind bereits in der nächsten Cabrio-Saison.

Elektrisch in den Himmel - hochmoderne Flugzeuge im Test

Gleich zwei Flugzeuge auf neusten technischen Standard konnten die Reinheimer Segelflieger am Wochenende unter die Lupe nehmen. Neben der einsitzigen LS8 e Neo von DG Flugzeugbau konnte die ASG 32 EL des hessischen Herstellers Alexander Schleicher bezüglich ihrer Flugeigenschaften und Handling am Boden von den Piloten ausgiebig getestet werden. Die Geschäftsführer Ulrich Kremer und Holger Back beantworteten geduldig die viele Fragen der Mitglieder.
Anlass der Testflüge ist die Frage, wie der Flugzeugpark des Vereins in der Zukunft aussehen kann und welche Möglichkeiten der Flugzeugmarkt bietet.
Beide Flugzeuge sind mit einem Elektromotor als Heimkehrhilfe ausgestattet. Elektrische Motorisierung spielt auch bei Segelflugzeugen eine immer größere Rolle. Bislang wurden stets Verbrennungsmotoren verwendet, um per Motorkraft zum Flugplatz zurückkehren zu können, falls der Pilot keinen Aufwind mehr erreicht. Elektrische Antriebe haben gegenüber Verbrennungsmotoren den Vorteil, dass Bedienungsfehler fast ausgeschlossen sind. Dadurch entlasten sie den Piloten in niedriger Flughöhe. Neben mehr Sicherheit stellen elektrische Antriebe natürlich auch einen Beitrag zur Emissionsreduktion dar.
Ein Dankeschön gilt den Unternehmen DG Flugzeugbau GmbH und Alexander Schleicher für die unkomplizierte Unterstützung an diesen Tag
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Auf den Punkt gebracht

Jonas erfliegt den 2. Platz beim Ziellandewettbewerb. Mit zwei hervorragenden Landungen erzielte er das beste Ergebnis der elf Reinheimer Teilnehmer. Den Sieg sicherte sich Dirk Breitenbach aus Vielbrunn, auch die Mannschaftswertung konnten die Lokalmatadoren für sich entscheiden. Der dieses Jahr beim Flugsportclub Mümlingtal ausgetragene "Opa-Wolf"-Pokal kürt den Piloten, der es am schafft, das Segelflugzeug so nah wie möglich an einem festgelegten Punkt zu landen. Über 50 Piloten aus den umliegenden Segelflugvereinen Zellhausen, Obernau, Reinheim, Walldürn und Bensheim nahmen teil. Während des Wettbewerbs müssen die Piloten über den Tag verteilt in mehreren Durchgängen mit wechselnden Windverhältnissen zurechtkommen und ihren Landeanflug vorausschauend anlegen. Jeder Meter Abweichung vom Zielpunkt wird mit Punktabzug geahndet.
Der freundschaftlich ausgetragene Wettkampf hat einen durchaus ernsten Hintergrund: Findet ein Segelflieger nicht mehr die zum Weiterflug notwendigen Aufwinde und befindet er sich weit genug von Flugplätzen entfernt, muss er sich eine geeignete Landemöglichkeit in der näheren Umgebung suchen. Da die Äcker und Wiesen meist kleiner sind als die üblichen Flugplätze, muss der Pilot sein Flugzeug so gut beherrschen, dass er das Flugzeug auf der kleinen Landefläche sicher zu Boden bringt.